Diabetes und Herzinfarkt

Studie zur Entwicklung und Evaluation einer Entscheidungshilfe zur Vorbeugung von Herzinfarkt bei Typ 2 Diabetes

Hintergrund des Projekts

Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 haben ein erhöhtes Herzinfarktrisiko. Zur Herzinfarktprävention bei Typ 2 Diabetes, gibt es eine Vielzahl von Empfehlungen, z.B. Gewicht reduzieren, sich gesund ernähren, verschiedene Diäten einhalten, Sport treiben, nicht rauchen, Stress abbauen, die Blutzuckerwerte verbessern, Bluthochdruck behandeln, sowie die Einnahme von Medikamenten. Viele der empfohlenen Maßnahmen sind nur wenig oder gar nicht wirksam, zum Teil können sie auch schaden [1]. Zudem ist die Therapietreue („Adherence“) bei Langzeittherapien, wie sie in der kardiovaskulären Prävention typisch sind, niedrig [2].
Das Vorhandensein verschiedener Therapie- bzw. Präventionsoptionen ohne eindeutig beste Lösung ist eine typische Situation für eine informierte und geteilte Entscheidungsfindung (englisch: informed shared decision making –ISDM). Mit dem Konzept der geteilten Entscheidungsfindung sollen Patienten motiviert werden, sich an medizinischen Entscheidungen zu beteiligen und evidenz-basierte Entscheidungen zu treffen [3].
Geteilte Entscheidungsfindung (englisch: shared decision making; SDM) wird als wechselseitiger Austausch von Arzt und Patient beschrieben, der sich nicht nur auf medizinische Informationen bezieht, sondern auch auf Therapiepräferenzen [4].
Die Qualität einer getroffenen Entscheidung hängt davon ab, ob die Entscheidung auf Basis verlässlicher Informationen und in Übereinstimmung mit den Werthaltungen der Patienten getroffen wurde. In der Literatur wird dafür der Begriff „informierte Entscheidung“ (englisch: informed choice) verwendet [5].
ISDM kann helfen, eine informierte Entscheidung zu treffen, wenn in diesem Prozess relevante evidenzbasierte Patienteninformationen (EbPI) verstanden werden. Qualitätskriterien für EbPI wurden bereits formuliert [6, 7].
Um den ISDM Prozess zu unterstützen, werden Entscheidungshilfen für Patienten (englisch: patient decision aids; DA) entwickelt[8, 9]. Entscheidungshilfen sollen Wissen verbessern, realistische Erwartungen über Nutzen und Schaden von Interventionen erzeugen, den Abwägungsprozess unterstützen, Entscheidungskonflikte reduzieren und die Zufriedenheit mit der Entscheidung erhöhen [10].
Im Rahmen eines vorangegangenen Forschungsprojekts in den Gesundheitswissenschaften der Universität Hamburg wurde der Prototyp einer Entscheidungshilfe zur Herzinfarktprävention bei Typ 2 Diabetes in Broschürenform entwickelt und evaluiert [11]. Diese bildet die Grundlage für das geplante Beratungs- und Schulungsprogramm zur informierten und geteilten Entscheidungsfindung (informed shared decision making – ISDM).
Das ISDM Programm stellt eine komplexe Intervention dar. Die Intervention setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, die sich gegenseitig bedingen und ist von verschiedenen Kontextfaktoren abhängig. Ein Leitfaden zur Entwicklung und Evaluation komplexer Interventionen wurde bereits im Jahr 2000 vom United Kingdom Medical Research Council (UKMRC) entwickelt [12] und zuletzt 2008 aktualisiert [13].

[1]    Gerstein HC, Miller ME, Byington RP, et al. (2008) Effects of intensive glucose lowering in type 2 diabetes. N Engl J Med 358: 2545-2559
[2]    Haynes RB, Yao X, Degani A, Kripalani S, Garg A, McDonald HP (2007) Interventions for enhancing medication adherence [Systematic Review]. Cochrane Database of Systematic Reviews 4: 4
[3]    Edwards A, Elwyn G (2009) Shared decision making in health care: achieving evidence based patient choice, 2e. Oxford University Press, Oxford
[4]    Charles C, Gafni A, Whelan T (1997) Shared decision-making in the medical encounter: what does it mean? (or it takes at least two to tango). SocSciMed 44: 681-692
[5]    Marteau TM, Dormandy E, Michie S (2001) A measure of informed choice. Health Expect 4: 99-108
[6]    Steckelberg A, Berger B, Köpke S, Heesen C, Mühlhauser I (2005) [Criteria for evidence-based patient information]. Z Arztl Fortbild Qualitatssich 99: 343-351
[7]    Bunge M, Mühlhauser I, Steckelberg A (2010) What constitutes evidence-based patient information? Overview of discussed criteria. Patient Educ Couns 78: 316-328
[8]    Stacey D, Bennett CL, Barry MJ, et al. (2011) Decision aids for people facing health treatment or screening decisions. Cochrane Database Syst Rev: CD001431
[9]    International Patient Decision Aid Standards Collaboration (2005) What are Patient Decision Aids. Available from http://decisionaid.ohri.ca/IPDAS/what.html  accessed 4 October 2007
[10]    O’Connor AM, Jacobsen MJ (2003) Workbook on Developing and Evaluating Patient Decision Aids. Available from http://decisionaid.ohri.ca/docs/develop/Develop_DA.pdf, accessed 4 October 2007
[11]    Lenz M, Kasper J, Mühlhauser I (2009) Development of a patient decision aid for prevention of myocardial infarction in type 2 diabetes – rationale, design and pilot testing. Psychosoc Med 6: Doc05
[12]    Campbell M, Fitzpatrick R, Haines A, et al. (2000) Framework for design and evaluation of complex interventions to improve health. BMJ 321: 694-696
[13]    Craig P, Dieppe P, Macintyre S, Michie S, Nazareth I, Petticrew M (2008) Developing and evaluating complex interventions: new guidance. In. UK Medical Research Council